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Wozu Bürgerbeteiligung? – Wir wollen bauen!

Wie die Prenzlberger Stimme berichtet, wurde die Ausschusssitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung und ein bisschen Grünanlagen am vergangenen Donnerstag von mehr als 300 Anwohnern „gestürmt“. Was war geschehen?

Am 08. September hatte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt einen städtebaulichen Wettbewerb für das Wohngebiet entlang der Michelangelostraße ausgeschrieben.  Ein Sieger wurde schnell gefunden, schließlich winkten Preisgelder in Höhe von 108 000 Euro.

Leider hatte man in der Eile völlig vergessen, die betroffenen Anwohner zu informieren, so dass diese den Lobgesang über den tollen Wettbewerbssieger aus der Presse entnehmen konnten. Gut gemacht. Nachdem die Bürgerbeteiligung im Thälmannpark-Areal ja voll daneben gegangen war und die Bürger sich erdreistet hatten, mit eigenen Ideen, Frage und Kritik die Pläne eines Investors zu hinterfragen und eine sinnvolle Alternative zur Diskussion vorzuschlagen, hat man im Senat und im Bezirk gelernt. Wie der damalige Senator und mittlerweile Bürgermeister Müller 2014 Aktiven der AI Thälmannpark gegenüber klar gesagt hat, gibt es für ihn ein schlagendes Argument: „Ich will da bauen“! Da stören die blöden Bürger nur, die werden schnell wütend und im schlimmsten Fall haben die auch Argumente und zeigen Anzeichen von Intelligenz. Nicht gut. Bis zur Wahl sind es nur noch knapp zwei Jahre, da müssen Erfolge her. Baubetonerfolge. Was das für die soziale Infrastruktur, den Verkehr, die Grünflächenversorgung etc. bedeutet? Darum kümmern wir uns dann später, erst werden Tatsachen geschaffen!

Diese Dreistigkeit und Dummheit ist kaum mehr zu überbieten. Nach dem Volksentscheid zum Tempelhofer Feld wurde nix gelernt, außer dass es wohl besser ist, die Leute nicht zu fragen. Um es ganz klar zu sagen: Die Stadt besteht nicht aus lauter Wutbürgern, die prinzipiell gegen den Neubau von Wohnungen sind. Diese Wohnungen sollten aber bezahlbar sein, und die vorhandenen Probleme der gesamten Infrastruktur nicht weiter verschärfen. Wohldurchdachte Stadtentwicklung benötigt Zeit. Das tiefe Mistrauen der Bevölkerung gegen diese Bastabeton-Politik wird durch das Vorgehen bei der Michelangelostraße weiter wachsen. Echt gut gemacht. Euch wählen wir alle wieder, Ihr seid unsere Besten.

Anfang März soll nun der Tagesordnungspunkt der Vorstellung des Wettbewerbsergebnisses in einem ausreichend großen Raum erfolgen. Und danach geben alle wohl hoffentlich Ruhe, damit bald gebaut werden kann. Bald sind Wahlen. Mal sehen. (OO)

P.S.: Die Ergebnisse des Siegerentwurfes des Wettbewerbs sollen auch mal wieder ausgelegt werden, und zwar in der Sparkasse in der Greifswalder Straße. Geile Location. Warum nicht gleich irgendwo im Brandenburgischen, da gibt es wenigsten Platz.

 

 

 

 

 

Hier ist Selbstbedienung

Avatar von AI ThälmannparkAnwohnerInitiative Ernst-Thälmann-Park

Dubiose Grundstücksgeschäfte am Güterbahnhof Greifswalder Straße.

In diesen Tagen soll von der BVV Pankow ein Bebauungsplanverfahren für das Gelände des Güterbahnhofs Greifswalder Straße (West) auf den Weg gebracht werden. Die Schaffung von Baurecht für einen privaten Investor, der dort Townhouses und Hochhäuser mit Luxuswohnungen plant, scheint für den Bezirk derzeit allerhöchste Priorität zu haben.

Ganz anders sah das vor drei Jahren aus: damals sollte genau dieses Gelände für den Bezirk gesichert werden um dort soziale Infrastruktur anzusiedeln und Grünflächen zu erweitern. Obwohl die dramatischen Engpässe bei der Schul- und Kitaversorgung, das Fehlen von genügend Jugendfreizeiteinrichtungen und die schlechte Versorgung mit Erholungsflächen im Stadtteil Prenzlauer Berg schon bekannt waren, nahm man damals Abstand von einem Bebauungsplanverfahren für das Gelände, weil es „Sach- und Personalkosten“ verursachen würde. Obwohl mehrere Fachämter (Schule, Jugend) wichtige Bedarfe anmelden, wird einfach nicht gehandelt. Das Thema Grünflächenerweiterung kommt erst gar nicht mehr vor.

Bemerkenswert an diesem…

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Jenseits der Trasse

„Die Duldung und Sympathie in weiten Teilen der örtlichen Kneipenlandschaft in Prenzlauer Berg (Richtung Weissensee) gegenüber Alltagsrassismus, rechtem Fußballspektrum und Nazis schafft hier die Basis fürs rechte Wohlfühlklima“

Gemeint ist die Kneipe Stumpfe Ecke, die am vergangenen Samstag ca. 50 Nazis, die sich unter Polizeischutz kennenlernen wollten und mit der Hogesa (Hooligans gegen Salafisten) Pläne schmieden konnten.

Gemeint ist die Bierquelle in der Greifswalder Straße, deren Gäste (nicht das erste Mal) an diesem Abend zwei Gegendemonstranten der NorthEast-Antifascists-Gruppe nicht nur bedrohten, sondern auch schlugen. (Bericht)

Gemeint sind weitere Kneipen und Anlaufstationen für Nazis und Sympatisanten jenseits des S-Bahnhofes Greifswalder Straße, ob es die Eastside-Sportsbar ist, oder der Thor-Steinar-Laden nahe dem Antonplatz. Die braune Brut hat sich hier dermaßen breit gemacht, dass einen Angst und Bange werden kann.

Hooligans des BFC Dynamo waren nach einem Spiel im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark sogar schon beim Schnitzelkönig gegenüber dem Thälmanndenkmal gesichtet worden.

Willy Bresch und das Lorentz-Eck, echte alteingesessene Kneipeninstitutionen, wehren sich erfolgreich gegen eine Übernahme von rechts. Und bekommen, je nach Bedarf, dafür auch Unterstützung der örtlichen Antifa.

Die Angst vor den Zuständen der 90-er Jahre, wo es noch eine stabile rechte Community auch im Thälmannpark gab, sind berechtigt. Schienen diese Zustände eigentlich längst überwunden, zeichnen Vorkommnisse der letzten Monate ein anderes Bild. Nun sieht es anscheinend so aus, dass die Gegend wieder einmal zunehmend attraktiver für das Nazispektrum wird. Der Aufmarsch der Nazis und der Hooligans in der Naugarder Straße war ein erster Warnschuss.

Nach Pegida: Gründung des Bündnis gegen Unterwanderung der Abendländischen Bockwurst durch Morgenländischen Döner

Hier ein Leserbrief aus der INI, an die Pegida in Dresden gerichtet:

Bekanntgabe über die Gründung einer neuen Bürgerplattform! Das Org.Büro der -BÜGUNDABODUMODÖ- gibt bekannt:

Wir demonstrieren an jedem Freitag, geraden Datums, nach Sonnenuntergang und wenn es nicht regnet.

Wer zu spät kommt, der …. bestraft sich selbst und demonstriert am Sonnabend früh, allein.

Wir verwahren uns gegen die zahlenmäßige Überlegenheit der Dönerfilialen, gegenüber deutschem Bockwurst und Würstchen Angebot. Abertausende einheimische Wurst und Würstinnen bleiben jeden Abend ungekocht, ungegrillt und ungegessen.

Wogegen die Döner und ihre Konsorten, in verschiedenen Masken, zur Verblendung unserer abendländischen, traditionellen Gaumen, Zungen und all unserer Geschmacksnerven, beitragen. Erwähnt sei hier der heimtückische Börek und die gefüllte Paprikaschote, die bewusst und verhüllt, wie mit einer Burka, ihren fleischlichen, subversiven Inhalt verbergen.   

Wir fordern:

Den totalen Freihandel mit gesamtdeutscher Wurstware.

Die sofortige Einbindung der Wiener Würstchen  und schlesischen Würste, in ihren, geschichtlich und geographisch, angestammten und heimatlichen Naturdarm.

Sofortiges Grenzschließung aller abendländischer Grenzen und Einreiseverbot aller Döner, Schoten, Böreks und Konsorten, mit welchem Soßenhintergrund auch immer.

Die deutsche Wurstpolitik hat völlig versagt aber sträubt sich entschieden

ihr Versagen einzugestehen.

Die Geschmacklosigkeit ist ab hier nicht mehr zu überbieten liebe Dresdner.

Die Politik hat in den letzten Jahren, auch dank Schröder, Grün und Hartz, in vielen Bereichen versagt oder keine Handlungsspielräume entwickelt.

Sie zieht sich mehr und mehr aus der Gesellschaft zurück und überlässt das Feld der Wirtschaft. Diese wird aber einen Deibel tun und auf eine Gesellschaft samt Bevölkerung einzugehen, wenn es, wie bei Bildung und Pflege, nicht um die Rendite geht, sondern nur um Menschen. Dieses ist die Ursache von Unzufriedenheit, Fragen ohne Antwort und Entscheidungen über die Köpfe hinweg.

Diese Rendite und ein ständiges Wachstum, sind die Ursache für, nicht nur Euren, Missmut. Sie machen Menschen kaputt, Familien die Gesellschaft, Länder und am Ende die Welt.

Dagegen lohnt es sich wirklich zu demonstrieren. Nur dann tut das auch.

Aber mit Euren Themen.

Habt bitte den Arsch in der Hose macht Eurem Unmut Luft.

Nur in diesem gebräunten Schlepptau, in dem Ihr mitlatscht und verheizt werdet, sieht man, im Moment und mit Verlaub, nur arschlose Hosen rumlaufen.

Viele Menschen, Gott sei Dank auch Dresdner, finden es bitter peinlich, dass gerade so eine Welle über den Rand Eures Tales schwappt.

Wir sind von Euch, aus der Vergangenheit, konsequente und klare Haltungen gewöhnt.

Vielleicht ein kleiner Gedanke. Schön wäre es, für ein direktes Wahlrecht zu kämpfen. Damit kann man dann, sehr schnell, sehr viel verändern.

Es ist keine Schande einen Fehler einzugestehen. Die Woche hat 7 Tage.

Geht doch am Dienstag. Oder am Mittwoch. Oder oder oder

V. Herold  aus dem ETP Berlin

Berlin: Am Taufbecken der Gentrification – Kirche im Aufwertungsgebiet

Avatar von ahGentrification Blog

Weihnachten ist ja für viele die Zeit der Besinnlichkeit. Da werden Kindheitserinnerung aufgerufen und Geschichten von früher erzählt und manch eine/n zieht es sogar in die Kirche. Während die letzten Trinker vom Helmholtzplatz verdrängt werden sollen, werden auch in diesem Jahr die Weihnachtsandachten in den Kirchen von Prenzlauer Berg und Mitte gut besucht sein. Das war nicht immer so und die Kirchgemeinden scheinen mir ein bisher unterschätzter Indikator der Sozialgeschichte von Stadtteilen zu sein.

Neben den Schulen und der Polizei dürften die Kirchen in den Aufwertungsgebiten von Prenzlauer Berg und Mitte eine der wenigen Instituitionen sein, die den Wandel der Nachbarschaft kontinuierlich begleitet haben und die veränderte Zusammensetzung der Bewohnerschaft spiegeln. So wie wir in den Schulen mehr Gymnasialempfehlungen erwarten können und bei der Polizei ein verändertes Anzeigeverhalten untersuchen könnten, geben uns auch die Kirchgemeinden einen tiefen Einblick in die Nachbarschaft.

Eine kürzlich bei Facebook gepostete Taufliste jedenfalls liest sich…

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Platzhaus soll Platz machen

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Eines der letzten Oasen von nachbarschaftlicher Begegnung und ehrenamtlichen Engagement im Helmholtzkiez soll, nach dem Willen vom grünen Stadtrat Kirchner, von der Bildfläche verschwinden. Die Aktiven haben jetzt eine Gnadenfrist ihrer Kündigung bis Juni 2015 erhalten, nachdem sie massiv protestiert haben. Die soziale Säuberungswelle muss hier etwas an Tempo rausnehmen.

Dass Kirchner es im Allgemeinen nicht so mit Bürgerbeteiligung hat, haben wir im Thälmannpark zu hauf erlebt. Ihm und seinem Bezirksamt ist der Bürgerwille nur lästige Dekoration zur Legitimation seines Tuns als gewählter Politiker.

Um die ihn zu verantortenden Bezirke und Areale weiter zu homogenisieren und sie von lästigen Randgruppen zu befreien, würde Kirchner auch die letzten Reste von solidarischem, urbanen und buntem Lebens des alten Prenzlauer Berges tilgen und der grün-kapitalistischen Kommerzwüste, wie bisher, zuschlagen. Schon jetzt wirken die Stätten des bürgerlichen Engagements wie Fremdkörper in der Welt der Wohlstandsmutanten. Pro Kiez im Bötzowviertel, Leute am Teute oder der Kiezladen in der Dunckerstraße sind ständig mehr oder weniger gefährdet und ihre Existenz wirkt oft nur wie geduldet.

Nun kann man ja den Reichen und Zugezogenen ihre Lebensart nicht vorwerfen. Nicht ihre Designerläden, Goumetsrestaurants, ihre Ballettschulen und Bioläden. Auch nicht ihre rigorose Landnahme, ihre arrogante Vereinahmung, ihr provozierender Habitus oder ihre Rücksichtslosigkeit, sowie ihre völlige Ignoranz von unkommerziellen Projekten. Solidarität und Empatie, Durchmischung und alternative Lebensentwürfe ist dieser Hedonistenkaste völlig fremd. Man kann ihr das aber nicht vorwerfen.

Die Politik hat diese elitäre und sozialdarwinistische Verdrängung flankiert und forciert. Wir haben das Ergebnis einer völlig verfehlten Stadtentwicklungspolitik und eines hemmungslosen Immobilienwahns jetzt in unserem fast vollständig sozial gereinigten Kiezen vorzufinden. Unkommerziell organisierte Häuser als Ausdruck von Selbstermächtigung mündiger Bürger, wie das Platzhaus im Helmholtzkiez es ist, stellen in dieser Bonbonwelt nur eine Gefahr da. Und sie sind nicht auf Verwertbarkeit abgeklopft.

Man kann den Akteuren vom Helmholtzplatz nur einen langen Atem, viel Kraft und Kreativität wünschen, um gegen diesen vermeintlichen Automatismus der Verdrängung anzukämpfen und um wenigstens für eine ganze Weile der Stadt und dem Kiez das Zwischenmenschliche zu erhalten. (RW)

Wowereits Nachfolger will demokratische Entscheidungen aushebeln

Michael Müller, der noch Stadtentwicklungssenator und kommender Regierender Bürgermeister, will die Bürgerentscheidung auf Bezirksebene mit einem Taschenspielertrick aushebeln. Er will die „Felderbebauung (des Buckower Feldes) als gesamtstädtisch bedeutsam erklären“ und damit die Planungen an sich ziehen. Damit wären die Bezirke raus, der Senat kann eine Bebauung bestimmen und damit das Bürgerbegehren umgehen. Das könnte eine Signalwirkung auch für andere strittige Bauvorhaben werden. Genau so könnte auch Olympia in Berlin ohne Bürgerbeteiligung durchgezogen werden.

Details zu diesem schmutzigen Deal gibt es im Tagesspiegel.

Olympia in Berlin: Parallelwelten

NOlympia BerlinDer Senat will unbedingt die Olympischen Sommerspiele nach Berlin holen. Dazu werden  die Berliner auf eine sehr eigenwillige Art und Weise befragt. Zugelassen sind nämlich ausschließlich Pro-Olympia-Argumente. Tja, der Senat und die lästigen Bürger*innen…

Nun hat der RBB auch eine Umfrage gestartet, um aufzuzeigen, wie es um das Zustimmungsklima zu Olympia in der Hauptstadt wirklich bestellt ist.

“Was meinen Sie, sollte Berlin sich für die Ausrichtung der Olympischen und Paralympischen Spiele 2024 bewerben?“

15% sagen: Ja, auf jeden Fall!

19% sagen: Ja, aber nur wenn die Bürger vorher dazu befragt werden und dem mehrheitlich zustimmen!

66% sagen: Nein – bloß nicht!“ Quelle

Der Berliner Landessportbundchef Klaus Böger kann sich hingegen für Olympia begeistern, blendet die wahren Bedürfnisse der Stadt und ihrer Bewohner fast völlig aus. Ihm geht es um prestigegewaltige Sportprojekte.

Nun bewerben sich, laut DOSB, Berlin und Hamburg für die Olympischen Spiele 2024. Wie wollen gerade diese Städte dieses Mammutprojekt stemmen, wenn sie nicht mal einen Flughafen bzw. ein Opernhaus errichten können, muss man sich mindestens in diesem Zusammenhang mal fragen. Der Senat hat dem DOSB jedenfalls seine Sicht der Dinge beschrieben.

Die Opposition aus Grünen, Piraten und LINKEN wollen, als Ausdruck der gerade in diesem Fall benötigten direkten Demokratie eine breite Bürgerbeteiligung. Das könnte eine Volksbefragung oder ein fakultatives Parlamentsreferendum sein. Die Bürger sollten mitbestimmen und mitgestalten können.

Das Bündnis NOlympia, das u.a. von der Grünen Liga und dem BUND getragen wird, stellt indes auf ihrer Seite die Argumente zusammen, die gegen eine Olympiabewerbung Berlins sprechen. Unter dem Motto: „Mehr BROT statt SPIELE! – nachhaltige Stadtentwicklung statt vier Wochen Megaevent“ haben sie dem DOSB die relevanten Fragen für eine Nicht-Bewerbung beantwortet.

Auch interessant: Groß, größer, Größenwahn  Bitte Seiten 1, 4 und 5 lesen.

Mit zwölffacher Lichtgeschwindigkeit durch den Thälmann-Park

Die Planeten. (G. Holst) 1995 70X15 Meter

Die Planeten. (G. Holst) 1995 70X15 Meter

Eine Initiative in Prenzlauer Berg wehrt sich gegen Investorenpläne

Von Simon Dreier

Der Ernst-Thälmann- und der Anton-Saefkow-Park in Prenzlauer Berg sind Erholungsräume für Jung und Alt. Ihre Grünflächen laden zum Spazierengehen und Spielen ein. Diese Idylle könnte bald gestört werden. Geht es nach dem Willen von Christian Gerome, sollen am Rand des denkmalgeschützten Areals Thälmann-Park sowie auf dem Gelände des Güterbahnhofs Greifswalder Straße und des Zementwerkes, die beide an den Anton-Saefkow-Park grenzen, Wohnhäuser entstehen.

Der Immobilienhändler hat bereits einige Flächen und die Brücke über die Greifswalder Straße gekauft. Gegen seine Pläne setzt sich die Anwohner-Initiative Ernst-Thälmann-Park zur Wehr. Als sie im Dezember 2012 in der Gaststätte „Gaslaterne“ gegründet wurde, ging es ihr vor allem darum, die Bewohner der Häuser im Thälmann-Park vor Kostensteigerungen zu bewahren, die aufgrund einer energetischen Sanierung durch den Vermieter, die GEWOBAG, drohten. Außerdem wünschte sich die Initiative, dass sich der Bezirk Pankow mehr um die Grünflächen kümmere.

Heute kämpft die Initiative gegen die Bebauungspläne von Investor Gerome. Sie befürchtet, dass dieser Luxus-Hochhäuser für reiche Leute bauen und die Wohnungen darin teuer verkaufen will. Die Initiative möchte die Flächen dagegen für Kultur-, Bildungs- und Erholungszwecke erhalten. Vor allem sollen die Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche verbessert werden.

Davon sollen auch die Bewohner der dicht besiedelten angrenzenden Stadtteile profitieren. „Der Thälmann-Park gehört allen, nicht nur denen, die dort wohnen. Wir sind das Zentrum von Prenzlauer Berg,“ sagt Markus Seng von der Anwohner-Initiative und wünscht sich, dass sich viele Menschen an den Planungen für die Zukunft des Thälmann-Parks beteiligen.

Der 50jährige stammt aus dem Schwarzwald. Er hat einen Doktortitel in Physik und interessiert sich für Astronomie. Er könnte sich vorstellen, dass ein maßstabsgetreuer Planetenpfad vom Planetarium bis zum Anton-Saefkow-Park angelegt wird, „so dass man das Sonnensystem in zwölffacher Lichtgeschwindigkeit durchwandern kann.“

Bis es soweit kommt, muss die Anwohner-Initiative allerdings noch die Bezirksverordnetenversammlung umstimmen. Diese hat im Oktober mit den Stimmen von SPD, CDU und Grünen Schritte beschlossen, die die Pläne des Investors voranbringen sollen. Ein Gegenantrag der Initiative wurde abgelehnt.

Davon lässt sich die Initiative aber nicht entmutigen. Sie sammelt Unterschriften für einen neuen Antrag. Außerdem strebt sie einen Bürgerentscheid an. Der wäre zwar nicht bindend, würde aber ein klares politisches Signal aussenden. Getragen wird die Initiative auch von der Erinnerung an frühere Proteste am selben Ort: Als 1981 das Gaswerk, das auf dem Areal des heutigen Thälmann-Parks stand, stillgelegt wurde, kämpften Anwohner zusammen mit der Kunsthochschule Weißensee gegen den Abriss der Gasometer. Was damals scheiterte – der Widerstand gegen ein Vorhaben „von oben“ – möchte die Initiative heute zum Erfolg führen.

 

 

Gewöhnungsbedürftig

Wie wir alle schon lange wissen, geht der Gentrifizierungs-, Verdichtungs, Nachverdichtungs- und Betonwahn des aktuellen Senats und des Bezirksamtes auch am Thälmannpark nicht spurlos vorbei.

Anstatt ein Leitbild zu einer städtebaulichen und -politischen Gesamtkonzeption zu entwickeln (was ja STATTBAU mit der Voruntersuchung machen sollte und das für viel Steuergeld in den Sand gesetzt hat…), wurden und werden Bauvorhaben verwirklicht, die das Bild des Thälmannparkes schon jetzt nachhaltig verändern.

Die Bezirkspolitiker lassen sich ausschließlich von den Eigentumsverhältnissen leiten, wenn sie Bauflächen vergeben. Die Käufer bauen nun wild drauf los und achten so gut, wie überhaupt nicht darauf, wie ihre Gebäude sich in die Umgebung einpassen oder wie den zukünftigen Mietern oder Eigentümern eine äqivalente Infrastruktur gewährt werden kann. So entstehen Gate Communities, die, umzäunt, abgesperrt und abgegrenzt wie Fremdkörper in einem bisher durchdachtem Ensemble wirken. Wie fremd sich hier die neuen Einwohner fühlen, darüber kann nur spekuliert werden.

SV103697Drei große Bauvorhaben sind bzw. werden derzeit auf dem Areal verwirklicht. Der Prenzlauer Bogen thront als Gate Community gegenüber dem Krankenhaus. Er wirkt wie ein Sanatorium des Bundesnachrichtendienstes. Man bleibt mehrheitlich unter sich, nur verängstigte Gassirunden mit dem überzüchteten Rassehund werden gewagt. Die Kinder bleiben im umzäunten Areal, Kontakt zu Nachbarn wurde noch nicht beobachtet. Aber es gibt sie auch, die Familien, die sich im Bogen eingemietet haben, die sich, wie Andere auch, nach Kontakten zu ihrer Umwelt sehnen und sich durchaus im Kiez integriert haben. Denen möchte ich ihre vom Architekten gewollte Abgrenzung nicht vorwerfen. Dennoch ist es für sie schwer, aus dem vorgegebenen elitären Panzer heraus zu brechen.

SV103698Das Projekt „Ella“ mit 70 Wohnungen ist bald fertig gestellt. Hier sind die neuen Bewohner*innen wohl an der Nase herum geführt worden. Denn das Haus hat mehr Schatten, als alle anderen Wohnhäuser rundherum. Die „Ella“ wurde nämlich zwischen Krankenhaus und sozialistischer Platte rein gefercht. Viel Platz zum Spielen und für eine befürchtete Umzäunung ist da nicht zu finden.

SV103694An der Ecke Danziger Straße/Prenzlauer Allee entsteht jetzt das fetteste Bauvorhaben: die „PARAGON APARTMENTS – PRENZLAUER BERG“. Hier hat man sich das Gelände und die Bausubstanz des alten Prenzlauer Berg- Krankenhaus unter den Nagel gerissen. Wie Randbebauung SV103695aussieht, kann man hier deutlich erkennen. Interssierte Investoren hatten ja mal vor, diese Randbebauung entlang der Danziger Straße bis zur Greifswalder Straße zu vollziehen, was wir und Andere Gott sei dank verhindert haben. Hier wird es 200 Wohnungen im oberen Preissegment geben. Wo die Kinder der Neumieter mal spielen sollen und wo sie zur Schule gehen könnten, ist, wie bei den anderen Projekten, noch nicht ausgemacht. Immerhin kommt ein Biomarkt in das Untergeschoß.

Das sind alles repräsentative und teure Projekte mit teuren Wohnungen, die sich ein Normalsterblicher gar nicht leisten kann und somit das Gebiet jetzt schon erheblich „aufwerten“. Die Angst der alteingesessenen Nachbarn vor einem erhöhten Mietspiegel ist begründet, denn auch die GEWOBAG orientiert sich bei Neuvermietung an der Umgebung. Man nennt das auch Durchmischung von oben.

SV103708Die schon erwähnte Ästetik und Einbindung in das denkmalgeschützte Plattenbauensemble sind sehr gewöhnungsbedürftig. Wie die aktuellen und zu erwartenden Neunachbarschaft auf Grund der massiven Nachverdichtung ihre Freiräume suchen und sie mit den schon hier wohnenden Menschen teilt, darüber hat der Investor sicher nicht informiert. Es wird halt enger werden.

Wenn ich an den Investorentraum von 2000 Wohnungen in Hochhäuser auf dem ehemaligen Güterbahnhof Greifwalder Straße im Norden des Thälmannparkes denke, wird mir jetzt schon schlecht. Denn auch da wird es nicht um ein Einpassen in ein städtebauliches Gesamtkonzept mit einer notwendigen Planung der zugehörigen sozialen und Verkehrsinfrastruktur gehen, sondern allein um die Renditen, die so ein Projekt abwirft. Wieder werden die Neumieter und -eigentümer verschaukelt, von den tausenden Menschen, die rundherum wohnen, ganz zu schweigen. (RW)