Archiv der Kategorie: Allgemeines

Stellungnahme (5)

Stellungnahme zum Bericht zur Voruntersuchung Thälmannpark im Rahmen der Beteiligung der BürgerInnen und Träger öffentlicher Belange

Sehr geehrter Herr Kirchner, sehr geehrte Damen und Herren

Als freiraumplanerisch-städtebaulich interessierter Bürger und Nutzer des Thälmannparkes gebe ich Ihnen hiermit meine Stellungnahme zum Bericht zur Voruntersuchung Thälmannpark im Rahmen der Beteiligung der BürgerInnen und Träger öffentlicher Belange bekannt.

Ich stimme den meisten im Voruntersuchungsbericht gemachten Analysen und den daraus abgeleiteten Vorschlägen zu, allerdings nicht den baulichen Ergänzungen auf den ehemaligen Güterbahnhofsflächen im Areal Thälmannpark und auf dem Deuna-Areal.

Mir erscheint in der Analyse besonders wichtig:

  • Aufgrund  der äußerst heterogenen Nutzungsstruktur und dem großen Freiflächenanteil      ist das Gebiet Thälmannpark in der dicht bebauten und hauptsächlich zu      Wohnzwecken genutzten Umgebung einzigartig.
  • Der      Anton-Saefkow-Park hat eine wichtige Funktion als wohnungsnahe Grünanlage      und ist Teil der übergeordneten Grünverbindung.

Zusammen mit der Grünverbindung entlang der Nordgrenze des Thälmannpark-Gebietes ist der Anton-Saefkow-Park Teil des „Inneren Parkrings“.

  • Die      westlich und südwestlich umliegenden Planungsräume sind hinsichtlich der      Versorgung mit Spiel- und Freiflächen als schlecht versorgt, im Norden als      nicht versorgt zu bewerten.

Qualitativ besteht in beiden Planungsräumen ein erhebliches Defizit, in den umliegenden Quartieren teilweise erhebliche Defizite in der Spielplatzversorgung.

Bei diesen Defiziten muss die prognostizierte deutliche Zunahme der Bevölkerung für den Gesamtbezirk, und dabei inbes. die wachsende Anziehungskraft auf junge Familien sowie der überdurchschnittlich hohe und weiter wachsende Anteil an Kindern und Jugendlichen im Planungsraum vorausschauend mitbedacht werden. Die Defizite werden sich zwangsläufig vergrößern.

Das Gebiet Thälmannpark erfüllt schon jetzt eine wichtige Entlastungsfunktion für diese Defizite in der Nachbarschaft, die aufgrund der prognostizierten deutlichen Zunahme der Bevölkerung noch zunehmen werden. Hinzu kommen die damit ebenso wichtiger werdenden klimatischen Ausgleichsfunktionen.

  • Die      landschaftlich geprägte Weite des Thälmannparkes besteht trotz der      gegenüber dem Ursprungskonzept vorgenommenen Verdichtung zu DDR-Zeiten.      Der bereits seinerzeit verkleinerte Park ist gartenhistorisch eine      wichtige freiraumpolitische Errungenschaft.
  •   Das Wohngebiet Thälmannpark ist ein herausgehobenes Beispiel des DDR-Städtebaus: Der Denkmalwert besteht v.a. hinsichtlich des integrierten Wohnkomplex-Konzepts mit Bildungs-, Kultur-, Sozialeinrichtungen und der Freiflächenversorgung und -gestaltung.
  • Heute      ist zu beklagen, dass der Zustand der Grün- und Freiflächen im      Untersuchungsgebiet ihren vielfältigen Aufgaben und ihrer Bedeutung nicht      gerecht wird, es bestehen beträchtliche Nutzungs- und Gestaltungsmängel.
  • Das      Landschaftsprogramm Berlin sieht für das Untersuchungsgebiet den Erhalt      und die Qualifizierung der bestehenden Grünflächen vor.
  • Die      Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt bekräftigt die Bedeutung      der Freiflächen im Thälmannpark, sie hat erhebliche Bedenken gegen deren      Neubebauung und Nachverdichtung.

Daraus ergibt sich für mich die Notwendigkeit folgender Maßnahmen:

  •   Die „Grüne Insel“ soll weiterhin im Stadtbild erkennbar bleiben. Alle vorhandenen Grünflächen sollen deshalb erhalten bleiben und in ihrer Funktion gestärkt werden. Zusätzlich sind weitere Grünflächen an der Bahnlinie und in Erweiterung des Anton-Saefkow-Parks vorzusehen. Die Fortführung des „Grünbandes“ zum Saefkowpark ist mit Priorität zu verwirklichen.
  • Wichtig      ist der Erhalt, die Qualifizierung und der Ausbau der Freiflächenstruktur      im Quartier, Maßnahmen zur Verbesserung der Nutzungsmöglichkeiten und Aufenthaltsqualität      sind unter Beachtung der notwendigen Generationengerechtigkeit      vorzunehmen. Der Einschätzung von Brigitte Gehrke, wonach die Kosten für      die Neugestaltung der Spielplätze – unter Berücksichtigung der      Flächengrößen und des Zustands – nicht ausreichend sind, pflichte ich bei.
  • Die      ursprüngliche, aufwändige Gestaltung des Thälmannparkes als einzigartiges      Beispiel der Landschaftsarchitektur der DDR erfordert ein      gartendenkmalpflegerisches Gutachten, das insbes. die Ausstattungselemente      aus der Entstehungszeit (Brunnen, Sitzelemente, Lampen, Plastiken, sowie      auch die Bepfalnzungskonzeption) untersucht und einen angemessenen Umgang      definiert.
  • Auch      der Anton-Saefkow-Park erfordert nicht nur die Fortschreibung eines      Parkpflegewerkes, sondern eine denkmalgerechte Sanierung aufgrund eines      gartendenkmalpflegerisches Gutachtens.
  • Weiterhin      erfordert die lokale Identität die Wiederherstellung und Aufwertung des Schirmkinderplatzes Prenzlauer      Allee Ecke Danziger Straße mit der Bronzeplastik „Kinder unterm      Regenschirm“.
  • Das      Bezirksamts-Gelände sollte weitgehend, auch außerhalb der Dienstzeiten,      für die Öffentlichkeit zugänglich sein.
  • Für      die Nachnutzung des Vivantes Klinikums sollte die Festlegung einer nicht      abgeschlossenen, zum Wohngebiet geöffneten Nutzungsstruktur erfolgen.
  •   Die Findung einer Ausstellungsmöglichkeit zur Erklärung der Geschichte und der Besonderheiten des Gebietes sollte Ziel von Bezirk und WBG sein.
  • Der vorgeschlagene Punkt 5. Umnutzung der ehemaligen      Güterbahnhofsflächen im Areal Thälmannpark und auf dem Deuna-Areal      („Bauliche Ergänzungen sind auf den ehemaligen oder noch in Nutzung      befindlichen Bahnflächen möglich. Hier werden für die Zukunft Potentiale      im Wohnungsbau vorgesehen.“) wirkt den freiraumplanerischen Zielen
    • Verminderung der bezirklichen       Defizite an Spiel- und Freiflächen
    • Vervollständigung des inneren       Parkrings einschließlich überörtlicher Radwegeverbindung
    • Erhaltung und Verbesserung der       klimatischen Ausgleichsfunktionen
    • sowie Erhaltung des städtebaulichen Charakters des Thälmannpark-Gebietes

diametral entgegen und muss deswegen unter allen Umständen unterbleiben.

  • Insbesondere      die auf dem Deuna-Areal      vorgeschlagene „klare Blockrandstruktur“ stellt angesichts dieser      freiraumplanerischen Ziele überhaupt keine geeignete Bebauungsstruktur      dar. Wenn, dann käme hier nur eine punktuelle Bebauung mit einem hohen      Anteil (halb)öffentlicher Freiflächen in Frage.
  • Das      Areal Thälmannpark ist im nördlichen      Bereich vollständig von jeglicher Bebauung freizuhalten. Stattdessen      sollen die ehemaligen Bahnflächen hier zur Minderung der bestehenden      Defizite freiraumplanerisch qualifiziert werden.

Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit und verbleibe in Erwartung Ihrer Auswertung mit freundlichen Grüßen,

Axel Zutz

Stellungnahme (4)

Kaltluftleitbahn

Eine Kaltluftleitbahn von sehr hoher Bedeutung führt auf den nördlichen S-Bahnring zwischen den S-Bahnhöfen Greifswalder Straße und Prenzlauer Allee. Die niedrige Bebauung und emissionsarme Lage entlang der Bahnlinie, sorgt für eine hochwertige Frischluftzufuhr.

Die klimatische Funktion ist besonders für den als empfindlich gekennzeichneten Bereich nördlich des Thälmannparks von hoher Relevanz. Eine Bebauung im Gebiet des Anton- Saefkow Parks und des Ernst-Thälmannparks ist daher als bedenklich einzustufen, solange keine Umweltverträglichkeitsstudie das Gegenteil nahelegt.

Frank Wegener

Stellungnahme (2)

In loser Folge werden auf dieser Seite die Stellungnahmen von Anwohner*innen zum Bericht von Stattbau veröffentlicht. Die Genehmigungen der Autoren liegen der Redaktion vor.

Stellungnahme zum Bericht von Stattbau zur Voruntersuchung Thälmannpark

1. Die öffentliche Auslegung des umfangreichen Voruntersuchungsberichtes über einen sehr kurzen Zeitraum in der Vorweihnachtszeit ist höchst befremdend: Öffentlichkeit wird so nicht wirklich hergestellt. Im Gegenteil, der gegenwärtige Stand des gesamten Prozesses lässt viel Raum für Spekulationen, Unterstellungen und Zweifel an einer den aktuellen Herausforderungen gewachsenen und das Allgemeinwohl im Auge behaltenden Stadtentwicklungsplanung. Auch reicht die Einbeziehung allein der Anwohner im Untersuchungsgebiet Thälmann Park wegen zu erwartender Auswirkungen auf benachbarte Wohngebiete nicht aus.

Eingefordert wird hiermit eine breitere Bürgerinformation und Beteiligung am weiteren Planungs- und Entscheidungsprozess! Das bisherige Beteiligungsverfahren ist unzureichend. 

Der Voruntersuchungsbericht äußert sich sehr offen zum Thema Beteiligungsstrukturen – dies ist unbedingt aufzunehmen und auf die Beteiligung der umliegenden Anwohner wie v.a. der Grünen Stadt auszuweiten. Das gilt nicht zuletzt für das Thema Verkehrserschließung, das im Untersuchungsbericht sehr kurz kommt. Die Aussage, dass ein neues Verkehrserschließungssystem anzulegen sei, ist wegen seiner Auswirkungen (z.B. Schleichverkehre, Parkraumsuche in der Umgebung) von hoher Wichtigkeit. Auch hier ist zum gegebenen Zeitpunkt eine geeignete Form von Bürgerbeteiligung vorzusehen.

2. Wohnungsbau ist wichtig, Potenzialflächen für Wohnungsbau sind im Untersuchungsgebiet durchaus vorhanden, aber die Abwägung von Chancen und Risiken der massiven Wohnungsbauplanung greift im Sinne von Augenmaß und Allgemeinwohl viel zu kurz und ist unzureichend. Das erweckt Misstrauen. Mit 7.700 wird der neue Einwohnerzuwachs bestimmt – davon sollen allein 1.500 WE im Untersuchungsgebiet 2 entstehen, das wären mindestens ca. 3.000 neue Einwohner – der Voruntersuchungsbericht zeigt sich hier sehr einseitig gewichtet (Stärken/Chancen), aber es sind vor allem die Risiken und Auswirkungen auf die Umgebung in diesem Zusammenhang, die unbedingt im weiteren Planungsprozess näher darzustellen und abzuwägen sind. Die Entwicklungsziele – u.a. Umnutzung ehemaliger Bahnflächen und Erschließung von mittel- und langfristigen Wohnungsbaupotenzialen – mögen ja grundsätzlich nicht falsch sein. Die im Untersuchungsgebiet (1 und 2) identifizierten Wohnungsbaupotenziale – das ist zweifellos bereits jetzt erkennbar – sind jedoch zu hoch angesetzt (Menge), dazu unverhältnismäßig dimensioniert (Maßstab) und massiv problemgeladen in allen Auswirkungen auf verschiedenste Seiten der Infrastruktur (Verkehr, Soziales, Bildung) im Gesamtgebiet.

3. Der Voruntersuchungsbericht reißt der Sache nach viele Fragen an (s.a. SWOT Analyse), die im weiteren Prozess dringend zu bearbeiten sind, u.a.:

a) Wie hoch soll gebaut werden, um 1.500 WE unterzubringen? Da vorrangig privat gebaut wird und Hochhäuser entstehen werden (so die Vermutung), wird das Ergebnis zwangsläufig hochpreisiger Wohnungsbau sein – ist das richtig?

b) Wie sieht es dann mit Park- und Stellplätzen aus (Verortung, Menge)? Ist an Tiefgaragen gedacht? Wie sind die Ab- und Zufahrten geregelt?

c) Warum wird eine so abwegige Lösung für Stellplätze und Parken auf der anderen Bahnseite vorgeschlagen – wo man doch jetzt schon sehen kann, dass das mangels Flächen nicht funktionieren kann?

d) Reicht die technische Infrastruktur für das zusätzliche Wohnaufkommen in der avisierten Größenordnung überhaupt aus? BVG, S-Bahn-Station, Zufahrtswege etc.?

e) Wie wird die Qualität des Wohngebiets Grüne Stadt geschützt gegen Schleich- und Such- bzw. Parkverkehr? Schließlich entspricht das Untersuchungsgebiet 2 zwar einem Bruchteil der Fläche der Grünen Stadt, wird aber bis zu ca. einem Drittel mehr Bewohner als jetzt haben.

f) Ist die Soziale Infrastruktur dafür ausreichend? Kita, Schule, weitere Versorgungseinrichtungen? Potenzialflächen dafür? Bereitstellung von Investitionsmitteln des Bezirks?

g) Wie wird sich das Mietpreisniveau in den Untersuchungsgebieten verändern? Wird es durch Aufwertung zu schnellerem und größerem Druck auf die bestehenden Wohngebiete kommen? Wie werden Politik und Fachverwaltungen gegensteuern? Ist an einen Städtebaulichen Vertrag gedacht und/oder an die Festlegung eines Sanierungs-/Entwicklungsgebietes?

Alle diese Fragen treffen in entsprechend abgewandelter Form auf das gesamte Untersuchungsgebiet zu, sie sind zum Teil schon mehrfach durch die Anwohnerinitiative Thälmann Park an das Bezirksamt herangetragen worden. Als Bewohner der Grünen Stadt möchten wir uns dem anschließen.

Dr. Christa Juretzka, Ferdinand Reul

Kettensägenmassaker in Prenzlauer Berg

Belforter Karre, Mauerpark, Kastanienallee – es darf gesägt werden

Offensichtlich hängt es mit der Jahreszeit zusammen. Ab einem bestimmten Termin im April darf nicht mehr gesägt werden. Also nutzen potentielle oder reale Investoren die milde Witterung, um ihre Vorhaben frühzeitig voranzutreiben. Im Mauerpark war heute wieder ein Bagger aktiv, an den o.g. Orten kreischten die Kettensägen.

Im Falle Kastanienallee/Ecke Schönhauser wunderte sich Stadtrat Kirchner über die Aufregung, weil doch alles längst abgesegnet sei und die bisher als Parkplatz genutzte Fläche einem Neubau weichen muss. Wir haben die Ecke auch eher als Schandfleck in Erinnerung.

Das Belforter Karree ist ein Thema für sich. Hier wurde an anderer Stelle auch schon ausführlich darüber berichtet. Dem haben wir wenig hinzuzufügen.

Die Aktivitäten im Mauerpark werden von uns weiter beobachtet und dokumentiert. Kein Schritt ohne mediale Präsenz. Hartmut Dold (Quelle)

Hier gibt es schon mehr zum Thema: Kettensägenmassaker in Prenzlauer Berg

Berlin: Der Wohnungsmarkt ist kein Basar

Avatar von ahGentrification Blog

Die Vorstellung des aktuellen BBU-Marktmonitors  wartete mit einer faustdicken Überraschung auf. Nein, gemeint ist nicht der Umstand, dass die Bestands- und Angebotsmieten mal wieder gestiegen sind. Nein, es sind auch nicht die Zahlen, die zeigen sollen, dass die Mieten der BBU-Mitgliedsunternehmen preiswerter sind. Für Überraschung sorgte vor allem eine Sonderauswertung von Wohnungsgesuchen beim Internetportal ImmobilienScout24. Die Studie zeige, dass Wohnungssuchende in Berlin bereit sind Preise deutlich über den aktuellen Bestandsmieten zu zahlen. Doch stimmt das überhaupt? Und was überhaupt ist einen „Mietzahlungsbereitschaft“? Und wie wird sie gemessen?

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Der Senat wird tätig!

Avatar von kottiundcoKotti & Co

Der Senat wird tätig! Uns wurde exklusiv eine geheimes Video zugespielt. Auf dem Video sieht man einen Mitarbeiter der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung bei der Erarbeitung von Lösungen für den sozialen Wohnungsbau (Bestand). Unglaublich – aber wahr!

senatsverwaltungUpdate (Ende Jan. 2014) – 2 weitere Videos sind aufgetaucht: einmal aus der GSW, und einmal aus der HERMES Hausverwaltung. Es scheint Bewegung in die Sache zu kommen. Wir bleiben dran!

senatsverwaltung         senatsverwaltung

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„Ob am Pankower Tor, im Mauerpark oder im Thälmannpark: die Art wie künftig gebaut oder städtebauliche Verantwortung neu gestaltet wird, entscheidet sich an diesen drei Brennpunkten“

Die Pankower Allgemeine Zeitung wünscht allen ein frohes 2014 und wir wollen uns dem anschließen. Wir werden wieder viel zu tun bekommen und die Politik wird uns kräftig auf trab halten. Packen wir es an und hoffen, dass es für uns alle kreativ, schöpferisch, lustig und einfach schön wird.

Hier der Neujahrsgruß der PAZ.

Frohes Neues Jahr 2014

Zwangsräumungen in Berlin: Drei Beispiele

Unter dem Titel „…und raus bist du!“ berichtet der Tagesspiegel über drei Beispielen von Zwangsräumungen in Berlin. Die zunehmende soziale Kälte und die Ohnmacht der Politik werden hier gut dokumentiert. Wohnen als Menschenrecht wurde hier mit Füßen getreten.

„Die Zahl der Mietkonflikte in Berlin steigt, sagt das Bündnis „Zwangsräumung verhindern“. Dagegen protestierten 2013 so viele wie nie zuvor. Hier erzählen drei betroffene Berliner ihre persönliche Geschichte.“ Lesen Sie den ganzen Beitrag hier. „Wohnungsmangel, Kündigungen und immer mehr Räumungsklagen: Drei Betroffene erzählen.“

So läuft das in Prenzlauer Berg oder Gysi greift ein

Ich dokumentiere einen Beitrag vom Bundestagsabgeordneten Stefan Liebich über ein Bauvorhaben in Prenzlauer Berg, das so typisch zeigt, wie das schon seit Jahren hier so läuft und die Investoren auf Grund der gesetzlichen Rahmenbedingungen machen können, was sie wollen. Doch es regt sich Widerstand:

Hoffen und Bangen

Prenzlauer Berg anno 2013. Ein Investor kauft eine Wohnanlage mit 110 Wohnungen, viel Grün in offenen Höfen und aus stabiler Bausubstanz. Vor allem ältere Menschen wohnen dort, manche sogar seit der Errichtung der drei Gebäude an der Metzer, Straßburger und Belforter Straße im Jahre 1960. Der Eigentümer will nun einen Teil der Wohnungen abreißen, um neue Luxuswohnungen auf dem Areal zu bauen und überzieht einen Teil der alten Mieterschaft mit Verwertungskündigungen. Stellt sich die Frage: Darf der das?

Offensichtlich ja. Und das ist das Problem. Der stadtentwicklungspolitische Sprecher der Fraktion DIE LINKE in der BVV Pankow Michail Nelken hat Gregor Gysi sowie Stefan Liebich als Wahlkreisabgeordneten am Donnerstagnachmittag eingeladen, um sie erneut auf die verfahrene Situation aufmerksam zu machen. Über 50 Mieterinnen und Mieter, Nachbarn und Journalisten haben an dem Vor-Ort-Termin teilgenommen. Für Gregor Gysi ist die Situation exemplarisch für die Konzeptlosigkeit der Wohnungspolitik des Senats. „ Es fehlt ein klares Ziel und der Weg wie man dieses Ziel erreicht“, moniert er am Ende der Führung. Und auch Stefan Liebichs Kritik zielt in erster Linie auf die politischen Rahmenbedingungen, welche Gebaren wie die des Investors econcept an diesem Standort erst möglich machten: „Die Gesetze die besonders in den letzten Jahren zum Mietrecht erlassen wurden stärken die Vermieter und schwächen die Mieter. Das, was wir hier erleben, ist ein Ergebnis davon.“

Am Rande des Termins wurde bekannt, dass Nachbarn der Wohnanlage gegen das Bezirksamt Pankow Klage eingereicht haben wegen eines von diesem mit econcept im Mai 2013 geschlossenen Vergleichs. Damit drohen dem Bauvorhaben weitere kostspielige Verzögerungen und es keimt Hoffnung auf, dass so das Projekt noch scheitern könnte. Eine Mieterin, die im abrissbedrohten Teil der Anlage wohnt, hat sich mit dem Investor darauf verständigt, erst dann auszuziehen, wenn dieser eine Baugenehmigung hat. Es könnte ein kluger Deal gewesen sein. (Quelle)