Späte Rache – die Zerstörung eines Symbols

Der Ernst-Thälmann-Park im Prenzlauer Berg wurde durch Beschluss der DDR-Parteiführung auf der Fläche des 1982 stillgelegten Gaswerkes Greifswalder Straße geschaffen . Es sollte ein Wohn-/Park-Areal geschaffen werden, welches, in der Innenstadt gelegen, ein neuartiges und attraktives Wohnen ohne ruhenden Verkehr, mit viel Grün, Spielplätzen und weiteren Infrastruktureinrichtungen gestattete – ein Vorzeigeobjekt mit Symbolcharakter sozusagen.

Namhafte Architekten, Gartengestalter und andere Wissenschaftler nahmen die Arbeit auf und schufen das noch heute als Gesamtheit erkennbare Ensemble einschließlich des Zeiss-Großplanetariums.

In den ersten Entwürfen wurden drei Gasometer für kulturelle, sportliche sowie museale Zwecke vorgesehen, was die Attraktivität – auch nach heutigen Maßstäben – erhöhte. Dieser Entwurf wurde von der Parteiführung verworfen, übrigens diktatorisch versteht sich!

Dies gefiel so manchem Bürger, auch mir, nicht. Proteste verliefen ergebnislos. Die Gasometer wurden abgerissen. Der abgeänderte Entwurf wurde in zwei unmittelbar aufeinander folgenden Etappen der Jahre 1986/1987 realisiert. Die Mieter, darunter auch privilegierte, nahmen die Wohnungen und das attraktive Umfeld trotz des diktatorischen Eingriffs bezüglich der Gasometer gern an. Es störte sie eher nicht. Die Mieten waren billig und die Grünanlagen wurden fleißig gepflegt.

Nach der Wendezeit 1990 änderte sich gar Manches.

Bald stellte sich heraus,dass der Boden großräumig durch Schadstoffe des ehemaligen Gaswerkes verseucht war. Abhilfe musste her. Bis 2015 kostete dies etwa 11 Mio €. Wesentliche Besserungen sind bisher nicht erkennbar. Gegenüber diesem Aufwand verringerte sich der Aufwand für Pflege der Grünanlagen sowie die Erhaltung technischer Anlagen dramatisch. Arbeitskräfte wurden abgebaut und durch den Zusammenschluss von Prenzlauer Berg, Weißensee und Pankow zum neuen Stadtbezirk Pankow weiter verstärkt. Park und technische Anlagen vergammelten, einige wurden stillgelegt. Der Teich sollte zugeschüttet werden. Bürger rafften sich auf, übernahmen Pflege des Teiches und auch die Kosten für die Wasserversorgung.

Im Dezember 2012 gründete sich die Anwohnerinitiative. In deren Initiativen wurden Studenten einbezogen, welche in wissenschaftlicher Akribie die besondere Bedeutung des einmaligen Wohn-/ Parkensembles deutlich machten.

Durch diese Aktivitäten konnten beabsichtigte Aktionen des Bezirks, stark beeinflusst durch forsche Investoren abgewehrt werden, darunter Errichtung von Bauten längs der Greifswalder- wie auch der Danziger Straße. Selbst die Erhebung eines Teils des Thälmannparks in den Denkmalstand kam Anfang 2014 zustande. Danach wurde es schwieriger, weil getrieben durch den Investor mit Unterstützung des für Stadtentwicklung Verantwortlichen im Bezirk Maßnahmen zur massiven baulichen Erweiterung des Areals einschließlich von Teilen des ehemaligen Güterbahnhofs Greifswalder Straße erfolgten.

Bisheriger Höhepunkt ist die Erarbeitung von Varianten zur Bebauung des nicht denkmalgeschützten Teil des Park-Areals einschließlich der ehemaligen Bahnfläche. Interessant ist, dass trotz ständig versuchter Einwirkung der Anwohnerinitiative in keiner der bisher angebotenen Varianten auch nur der Ansatz eines Zugeständnisses hinsichtlich der Vorstellungen der Bürgerinitiative erkennbar ist. Das Gegenteil ist der Fall!

Der durch einen Einwohnerantrag Anfang 2. Quartal 2015 begründete Erhalt von am Rand des Areals vorhandener Parkflächen wurde am 21.01.2016 durch den öffentlich tagenden „Ausschuss für Stadtentwicklung und Grünanlagen“ des Bezirks abgelehnt, übrigens demokratisch versteht sich!

Alternativen für den Wegfall der 180 stark frequentierten Parkplätze werden nicht angeboten. Und solches geschah, weil im Zeitraum der letzten acht Monate die Varianten der Machbarkeitsstudie sich in Arbeit befinden, in denen der nicht denkmalgeschützte Teil des Parks in drei getrennte Flächen verw(sch)andelt sowie die Bebauung der Parkflächen vorgesehen worden sind.

Sollten diese Vorstellungen realisiert werden, dann liegt der Gedanke nicht fern, dass nach der Wende in die Politik gewechselte Protestanten gegen den Abriss der drei Gasometer nun ihren verbliebenen Frust los werden wollen, indem der zweifelsfreie Symbolcharakter des Thälmannparks als Ganzes zunichte gemacht wird.

Ich bin sicher, dass sowohl der diktatorische Eingriff zum Abriss der Gasometer aber such die  demokratisch angestrebte Zerstörung wertvoller Objekte der Zeitgeschichte mit Symbolcharakter unangebracht sind.

Günter Hahn

3 Gedanken zu „Späte Rache – die Zerstörung eines Symbols

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