Kinder und Anwohner eröffnen Spielplatz im Thämannpark selbst oder Ein anarchistischer Moment

Wie wäre es eigentlich, den neuen Flughafen BER einfach früher eröffnen? Man müsste nur ein paar Zäune wegräumen, Laufbänder zum fahren bringen, die Restaurants befüllen, Flugzeuge von Tegel und dem alten Schönefeld umleiten….

Der Termin der Eröffnung wurde unzählige Male verschoben, die Kosten sind explodiert. Man hat die politischen Verantwortlichen und die operativen Spitzen des Großprojektes „Willy Brand“ ausgetauscht, verbessert hat sich nicht wirklich was. Das Desaster ist gut dokumentiert und wirkt beispielgebend auch für kleine Projekte.

Im Thälmannpark gibt es einen Spielplatz, der Spielplatz I, der eine recht interessante Odyssee hinter sich hat, die man in mehreren Dokumentationen nachlesen kann, die sich wie die Geschichten von gescheiterten oder fast gescheiterten Projekten in dieser Republik lesen und die Parallelen vom Unvermögen und Unwillen der Akteure zu Lasten von möglichen Nutzern aufweisen.

Der  Spielplatz war immer beliebt. Ursprünglich lag der Holzspielplatz direkt gegenüber dem Kinder- und Jugendfreizeithaus DIMI. Ende der 1990er Jahre wurde er im Rahmen der notwendigen Altlasten-Sanierung an den heutigen Standort verlegt und dort mit einer Schutzfolie gegen die Altlasten auf einer ca. 1 Meter unter Geländeoberfläche liegenden Bodenplatte im Untergrund versiegelt.  Ende 2010 waren aber die letzten veralteten Spielgeräte entfernt worden und nur noch eine Sandfläche übrig. Als 2013 dann die Sanierung des Spielplatzes beschlossen wurde und neues schweres Spielgerät im Boden verankert werden sollte, wurde diese Schutzfolie (offensichtlich aus Unwissenheit!) durchstoßen und die Altlasten waren wieder ein Thema. Nach einer Fülle von Abenteuern aus Misswirtschaft und Missplanung, Outsourcing und das Fehlen von Übersicht, fachlichem Verstand, operativer und logistischer Kompetenz und letztlich politischem Willen gingen die Jahre ins Land. Druck und Expertisen von Anwohnern zwangen irgendwann die Verantwortlichen zu Handeln.

Doch ein unfähiger Bezirk wäre kein unfähiger Bezirk, wenn er auch den erzwungenen und aufwallenden Aktionismus auch noch so schlecht, wie es ihm möglich war, gestalten würde. Der Termin zur Eröffnung, den die Kinder und deren Eltern mit nötigen Protesten und kreativen Demonstrationen herbeisehnten, wurde immer wieder verschoben, die Kosten erhöhten sich sukzessive.

Als dann endlich mal wieder ein Termin feststand, sah es tatsächlich so aus, das es dieser sein könnte. Der Termin wurde auf den ersten Bodenfrost gesetzt (10.12.15), um es den neuen Nutzern und ihrer Freude am Spielen doch noch zusätzlich schwer zu machen. Man hatte den Sommer abgewartet, man hatte den goldenen Herbst abgewartet, um im Dezember, der prädestinierten Zeit zum draußen spielen, den Platz endlich frei zu geben. Vorher quälte man noch monatelang die Anwohner mit der Versperrung einer wichtigen Durchwegung im Park.

Aber der Geduldsfaden war bereits vorher gerissen. Statt einer offiziellen Eröffnung, wo sich Kirchner und Gesellen für „erfolgreiche Stadtplanung“ feiern wollten, gab es eine Voraberöffnung mit Kindern, Luftballons, Musik und gut gelaunten Anwohnern. Den Verantwortlichen den Finger zeigen und sich Abläufe nicht diktieren zu lassen, war eine der Intentionen dieses anarchistischen Erlebnisses. Dass aber Kinder einfach spielen wollen, war das weit wichtigere Anliegen dieser vorzeitigen Inbetriebnahme und emanzipatorischen Okkupation.

Also Glückwunsch für einen schönen Spielplatz geht an die, die gedrängelt haben, die immer dran geblieben sind, an die Kinder, die diesen Spielplatz mindestens verdient haben und an die Experten der Anwohner-Initiative.

Dass Behörden und Firmen mit Ach und Krach eine Selbstverständlichkeit hergestellt haben, ist nicht unbedingt dankenswert. Schon alleine, weil es natürlich unbeantwortete Fragen zu den Kosten des Spielplatzes gibt, weil es um Transparenz und Aufklärung gehen muss, warum das Projekt so verschleppt worden ist und worin die Kosten von über 400 000 Euro geflossen sind. Und weil es einfach kein Ruhmesblatt für den Bezirk ist. (RW)

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