Archiv für den Monat Dezember 2015

Ein Dankesbrief zur vorgezogenen Spielplatzeröffnung

Berlin d. 08.12.2015

Sehr geehrter Herr Herold,

wir möchten uns ganz herzlich für die herrlich improvisierte Spielplatzeröffnung bedanken.

Und nicht nur dafür, sondern auch für die wundervolle Teichführung durch Sie und die Akkordeon Musik vom Dimo. Wir werden jetzt ganz oft rüberkommen.

Sie haben den Kindern sehr viel vermittelt und gezeigt, was es am Wasser alles zu entdecken gibt. Auch im Winter. Die „Zwerge“ fragen uns jetzt oft, wann sie sich wieder auf die Lauer legen können um zu beobachten. Die beiden Krähen waren der Höhepunkt.

Bitte bewahren Sie und alle Anwohner diesen kleinen See. Der Begriff„Stadtoase“ trifft es voll und ganz.

Viele Grüße an Sie von Anne und Sylvia und von unseren Zwergen

 

 

Kinder und Anwohner eröffnen Spielplatz im Thämannpark selbst oder Ein anarchistischer Moment

Wie wäre es eigentlich, den neuen Flughafen BER einfach früher eröffnen? Man müsste nur ein paar Zäune wegräumen, Laufbänder zum fahren bringen, die Restaurants befüllen, Flugzeuge von Tegel und dem alten Schönefeld umleiten….

Der Termin der Eröffnung wurde unzählige Male verschoben, die Kosten sind explodiert. Man hat die politischen Verantwortlichen und die operativen Spitzen des Großprojektes „Willy Brand“ ausgetauscht, verbessert hat sich nicht wirklich was. Das Desaster ist gut dokumentiert und wirkt beispielgebend auch für kleine Projekte.

Im Thälmannpark gibt es einen Spielplatz, der Spielplatz I, der eine recht interessante Odyssee hinter sich hat, die man in mehreren Dokumentationen nachlesen kann, die sich wie die Geschichten von gescheiterten oder fast gescheiterten Projekten in dieser Republik lesen und die Parallelen vom Unvermögen und Unwillen der Akteure zu Lasten von möglichen Nutzern aufweisen.

Der  Spielplatz war immer beliebt. Ursprünglich lag der Holzspielplatz direkt gegenüber dem Kinder- und Jugendfreizeithaus DIMI. Ende der 1990er Jahre wurde er im Rahmen der notwendigen Altlasten-Sanierung an den heutigen Standort verlegt und dort mit einer Schutzfolie gegen die Altlasten auf einer ca. 1 Meter unter Geländeoberfläche liegenden Bodenplatte im Untergrund versiegelt.  Ende 2010 waren aber die letzten veralteten Spielgeräte entfernt worden und nur noch eine Sandfläche übrig. Als 2013 dann die Sanierung des Spielplatzes beschlossen wurde und neues schweres Spielgerät im Boden verankert werden sollte, wurde diese Schutzfolie (offensichtlich aus Unwissenheit!) durchstoßen und die Altlasten waren wieder ein Thema. Nach einer Fülle von Abenteuern aus Misswirtschaft und Missplanung, Outsourcing und das Fehlen von Übersicht, fachlichem Verstand, operativer und logistischer Kompetenz und letztlich politischem Willen gingen die Jahre ins Land. Druck und Expertisen von Anwohnern zwangen irgendwann die Verantwortlichen zu Handeln.

Doch ein unfähiger Bezirk wäre kein unfähiger Bezirk, wenn er auch den erzwungenen und aufwallenden Aktionismus auch noch so schlecht, wie es ihm möglich war, gestalten würde. Der Termin zur Eröffnung, den die Kinder und deren Eltern mit nötigen Protesten und kreativen Demonstrationen herbeisehnten, wurde immer wieder verschoben, die Kosten erhöhten sich sukzessive.

Als dann endlich mal wieder ein Termin feststand, sah es tatsächlich so aus, das es dieser sein könnte. Der Termin wurde auf den ersten Bodenfrost gesetzt (10.12.15), um es den neuen Nutzern und ihrer Freude am Spielen doch noch zusätzlich schwer zu machen. Man hatte den Sommer abgewartet, man hatte den goldenen Herbst abgewartet, um im Dezember, der prädestinierten Zeit zum draußen spielen, den Platz endlich frei zu geben. Vorher quälte man noch monatelang die Anwohner mit der Versperrung einer wichtigen Durchwegung im Park.

Aber der Geduldsfaden war bereits vorher gerissen. Statt einer offiziellen Eröffnung, wo sich Kirchner und Gesellen für „erfolgreiche Stadtplanung“ feiern wollten, gab es eine Voraberöffnung mit Kindern, Luftballons, Musik und gut gelaunten Anwohnern. Den Verantwortlichen den Finger zeigen und sich Abläufe nicht diktieren zu lassen, war eine der Intentionen dieses anarchistischen Erlebnisses. Dass aber Kinder einfach spielen wollen, war das weit wichtigere Anliegen dieser vorzeitigen Inbetriebnahme und emanzipatorischen Okkupation.

Also Glückwunsch für einen schönen Spielplatz geht an die, die gedrängelt haben, die immer dran geblieben sind, an die Kinder, die diesen Spielplatz mindestens verdient haben und an die Experten der Anwohner-Initiative.

Dass Behörden und Firmen mit Ach und Krach eine Selbstverständlichkeit hergestellt haben, ist nicht unbedingt dankenswert. Schon alleine, weil es natürlich unbeantwortete Fragen zu den Kosten des Spielplatzes gibt, weil es um Transparenz und Aufklärung gehen muss, warum das Projekt so verschleppt worden ist und worin die Kosten von über 400 000 Euro geflossen sind. Und weil es einfach kein Ruhmesblatt für den Bezirk ist. (RW)

Ein Kommentar zu den geplanten 600 neuen Luxuswohnungen am Thälmannpark

Die Präsentation der Machbarkeitsstudie in der Ausschusssitzung vom 26.11.2015 wurde vom RBB als auch von der Berliner Zeitung zum Anlass einer Berichterstattung genommen.

Hierzu veröffentlichen wir eine Einlassung von Jörg Friedrich

Na ja, der RBB-Beitrag widerspiegelt das typische, bewusst unscharf gehaltene Polit-/Investoren – Geschwurbel, auf das man sich dann später, bei den letztendlich schon im Vorfeld abgesprochenen Entscheidungen „nach eingehender und frühzeitiger Bürgerbeteiligung…“, berufen kann. Frei nach dem Motto, haben wir doch schon damals gesagt und „… an den einmal getroffenen Entscheidungen kommen wir (!) jetzt alle nicht mehr vorbei…“.
Wer Bedenken äußert wird entweder als unverbesserlicher Honnecker-Fan, egoistischer Soziallwohnungsbau-Verhinderer oder eben als angeblich letzter Autofahrer mit weltfremdem Parkplatzbedarf diskreditiert, der sich den unverhandelbaren, finalen Maßnahmen zum Aufbau unseres urban-fußläufig-veganen Prenzlauer Berges widersetzt.
Ich bin da der Auffassung, sich endlich aus dieser peinlichen Beteiligungs-Umarmung zu lösen, ich will nicht Teil dieses WIR sein. Für mich persönlich hat das langsam auch ein wenig mit der Wahrung meiner beruflichen Selbstachtung zu tun. Sich ständig solche ungeprüften, fachlich fragwürdigen, politisch geschönten oder schlicht baufachlich fehlerhaften Begründungen anzuhören, das nervt, ernsthaft frühzeitige und qualifizierte Einwände vorzutragen und im Disput abzuwägen ist auf solchen Alibi-Veranstaltungen unmöglich.
Dass dieses und andere Bauvorhaben letztlich, mit bestenfalls kosmetischen Korrekturen, natürlich immer zum Wohle der Bürger, durchgewinkt werden, erinnert mich an die Zeiten als ich, Bürger, noch Werktätiger gerufen wurde. Der Wohltäter ist heute der Investor, damals hieß der noch Politbüro, auf der Ebene der Hofschranzen wurde nur das Personal getauscht, nicht das Verhalten geändert. Die wissen einfach immer am besten, was für uns gut ist.

Schwerer wiegt hier aber der eine Unterschied und das macht mir Hoffnung: der Bürger darf und muss dann mal wieder die Hilfe eines Verwaltungsgerichtes oder Staatsanwaltes(?) in Anspruch nehmen, das wäre dem Werktätigen zum Unterschied eher nicht bekommen.
Dann soll es also so sein, nach einer guten Viertel-Million für „Voruntersuchung“ und „Machbarkeitsstudie“ dürfen wir wohl auf diesem Wege mal einen Teil unserer Steuergelder für die Justiz verballern, oder?

Den RBB-Beitrag betreffend war schon bedeutend, dass gestandene Planer von einer „zentralen Brache“, am „Rande“ des ETP, „direkt neben“ den S-Bahn-Gleisen referierten. Was denn nun ??.
Besser wäre für die Gerom´sche Fehlinvestition wohl folgende Beschreibung: “ …mehrere zusammenhängende, in spekulativer Absicht erworbene Gewerbegrundstücke, hier stillgelegte, vormalige Bahnbetriebsflächen.

  1. Es besteht kein Baurecht.
  2. Eine der zukünftigen Stadtentwicklung angemessene und genehmigungsfähige Beplanung ist risikobehaftet.
  3. Die Grundstücke erstrecken sich über eine Gesamtlänge von mehreren hundert Metern, bei einer Breite von nur wenigen Metern bis zu bestenfalls 60 Metern, niveaugleich zum Bahnkörper, entlang der stark frequentierten, vielgleisigen Güterverkehr- und Stadtbahntrasse zwischen den Bahnhöfen Prenzlauer Allee. und Greifswalder Straße verlaufend.
  4. Die geringe Breite und die dezentrale, randständige Lage der Belegenheit am Gleiskörper schränken eine wirtschaftliche Nutzung für Wohnungsbauzwecke bereits wegen der zulässig bebaubaren Flächen und aus schallschutztechnischen Gründen erheblich ein.
  5. Zudem ist das Grundstück vorwiegend versiegelt und/oder mit massiv befestigten Verkehrsflächen und mit soweit ungenutzten Gewerbebauten, die sich in einem teilzerstörten, nutzungswidrigen Bauzustand befinden, bebaut. Der eventuelle Rückbau geht zu Lasten des Erwerbers.
  6. Im Bereich der Spontanvegetation sind ggf. artenschutzrelevante Ansiedlungen zu beachten.
  7. Weitere Nutzungshindernisse und Planungsrisiken ergeben sich aus zwei Teilgebäuden/Dienstbarkeiten unter Fachplanungsvorbehalt (EBA) im Bereich der soweit einzig wirtschaftlich zu beplanenden Teilfläche sowie einer 110 kV Trassierung und insbesondere einer Fernwärmetrassierung, wobei letztere die möglicherweise in Aussicht genommene Baufläche zentral durchschneidet.
  8. Die Altlastensituation aus der Betriebsvorgeschichte ist ebenso ungeklärt.
  9. Teile des Geländes/Geländeversprunges bestehen baugrundseitig aus den vormaligen Aushubmassen des Stadtbahngrabens östlich und denen zur Auffahrung der Überführung, entsprechende Baugrundrisiken sind nicht auszuschließen
  10. Zusätzliche Zuwegungen und Erschließungen östlich sind, ohne Eingriff in den insoweit untrennbar unter Schutz gestellten Wegeplan der Denkmal-Gesamtanlage ETP, nicht möglich.
  11. Das im Rahmen der Kaufhandlungen ebenso erworbene Verkehrsbrückenbauwerk (über die Bundesstraße B2) unterliegt, unabhängig von seiner Nutzung, den entsprechenden Unterhaltungslasten/den Regelungen der RiB-Prüf….“ und stellt damit ebenso einen dauerhaften, risikoreichen Kostenfaktor dar.

Nach RBB-Beitrag baut der Investor 600 WE auf seinem Grund, später im selben Beitrag heißt es dann, die GEWOBAG davon 200 WE Sozialwohnungen. Von der Inanspruchnahme öffentlichen Grundes/ der Parkplätze ist im Beitrag gar keine Rede, macht demnach alles der Investor.
Quatsch – gemäß Bauausschuss soll der Investor von seinen gesamt 400 WE bis 100 WE sozial abgeben, 200WE werden der GEWOBAG auf den Parkplätzen übergeholfen.
Die 200 WE GEWOBAG und Campus/Schule sind aber planungsrechtlich schön abgetrennt, die Rede ist von unabhängigen Teilplanungsbereichen; das könnte letztlich bedeuten, nur der Investor baut seine Wohnschlange und/oder nur das Hotel; und damit er überhaupt was sinnvolles bauen kann verlegen wir auf Landeskosten für den Armen die Fernwärme unter die Erde; die unbrauchbaren Grundstücksteile am Planetarium und die Reste werden für die „Durchwegung“ — die wolltet Ihr doch Bürger, oder?— ggf. zurückgekauft (zum Baulandpreis? ). Da braucht er sich nicht mehr um das anteilige Grün zu kümmern, macht alles die öffentliche Hand.  Beim Rest(Schulcampus, Stadtplatz, Sozialwohnungen) bleibt dann plötzlich wie gehabt, kein Geld mehr.

Ergibt sich abschließend noch die Frage, warum zu den 3 Teilkäufen 2010/11 Negativbescheide jeweils und m.E. auch von der Fachabteilung Bildung/Sport für die entsprechenden 3 Teilflächen erteilt wurden (Flächen angeblich für einen Schulneubau nicht ausreichend), jetzt kommt die Schule mit einem Zehntel der Flächen aus, na so was??).

Ach, noch ein letzter Vorschlag: Bevor die Brache weiter vermüllt und das 3-Etagen-Plattenbau-Dienstgebäude (auf 12m x 44m) der Bahn weiter verrottet, sollte der Senat da nicht an eine Beschlagnahme denken, da passen so locker 120 Kriegsflüchtlinge rein ( z.B.Dauerwohnen für Familien statt der nächsten Turnhallen-Massenbelegung) , ohne Luxus, mit erf. Brandschutz und Gemeinschaftsräumen, für eine knappe Million ist das machbar, wenn man/wir das wollen

Adventsgrüße

Jörg Friedrich