Urban Living – das geht immer!

Urban decay. Falsas Promesas Broken Promises, John Fekner, Charlotte Street Stencils, South Bronx, NY 1980. John Fekner CC BY-SA 3.0

Urban decay. Falsas Promesas Broken Promises, John Fekner, Charlotte Street Stencils, South Bronx, NY 1980. John Fekner CC BY-SA 3.0

Fürs Protokoll: Es ist jetzt 01 Uhr 07 Minuten, Freitag, der 29.04.2016. Sprich ich war gestern mal wieder als Gast bei einer Ausschusssitzung der BVV Pankow. Ausschuss für Städtebau und Grünanlagen.  So ca. vor 5 Stunden. Ich bin nicht mehr ganz nüchtern. Nach einer Ausschusssitzung ist es wichtig und notwendig, sich den ganzen Müll mit Bier aus dem Leib zu spülen. Ein Rest bleibt leider immer. Eigentlich war ich wegen TO 4.2 in der Sitzung. Immerhin war Großinvestor Gerome deswegen auch da. Thälmannpark. Der Großinvestor glaubt immer noch, dass er sein benzolverseuchtes Rattennest Güterbahnhof Greifswalder Straße gewinnbringend bebauen kann. Viel Spaß. Die Hoffnung stirbt bekanntlich ja zuletzt.

Viel spannender war aber TO 2 : Vorstellung des Bauvorhabens Florastraße 33 der GESOBAU.

Mein lieber Schieber, da steht also ein Vertreter der GESOBAU auf (ja, wir alle sind froh, wenn wir einen Job haben, der die Miete bezahlt, und müssen dafür manchmal dumme Dinge sagen) und leitet mit wenigen  Worten an die Architekten weiter. Ein Herr und eine Dame. „Unser Konzept ist „Urban Living“, kräht die Architektin mit aufgesetzter Sonnenbrille ins Publikum. Großartig. Urbanes Leben. ja, wir leben in einer Großstadt, und  nicht in einem Dorf. Hurra, Danke für diesen Erkenntnisgewinn. Die englische Sprache ist so geduldig. Erste Lachanfälle im Kreis der AI Thälmannpark Aktiven. Wir kennen den Schwachsinn ja. Etwa 20 Bewohner*innen aus der Florastraße sind anwesend. Sie stellen gute Fragen. z.B.: Wie groß ist der Abstand des neuen Gebäudes (ca. 100 Wohneinheiten – WE) von den Bestandsgebäuden? Antwort: Fehlanzeige. Das wissen die Architekten nicht – man ist nervös, weil der Beamer nicht so will. Es wird schwadroniert von „flexible living“, ein neues Konzept, die Wohnanlage soll mit 0 Parkplätzen auskommen, E-Autos dürfen die neuen Bewohner also auch nicht besitzen, aber wenn Mutti und Vati für die Kids mehr Platz brauchen, wird einfach eine weitere Wohnung hinzugemietet. Wenn die dann frei ist? – flexible living heiß wohl einfach, dass da Mietverträge mit 6 Monaten Laufzeit der neue Trend sein werden? Völlig unvorbereitete Architekten und ein offensichtlich überforderter GESOBAU Vertreter hauen Anglizismen raus, dass die Schwarte kracht. Und die betroffenen Anwohner werden schnell mal wieder in die Wutbürgerecke gestellt.

Ausschussvorsitzender Schröder stellt gleich zu Beginn der Debatte klar, dass es sich hier um einen reinen Verwaltungsakt nach §34 Baugesetzbuch handelt. Keine politische Entscheidung, das Ding wird gebaut. Urban Living in Berlin, totally flexible, with a maximum return on investment and such much fun for everyone, move in and out in 6 month or less. Ganz flexibel. Der GESOBAU Angestellte ist ganz stolz: 30 % der neuen Wohnungen sollen für 6,50 EUR Nettokalt pro m² vermietet werden, der Rest für um die 10,11Euro pro m². Weniger als der Standard in Berlin. Sozial, geht doch. „Urban hell – no problem“.

Am Ende steht eine Anwohnerin der Florastraße auf und erklärt den versammelten Architekt*innen, GESOBAU Angestellten, BVV Vertreter*innen was sie von der ganzen Sache hält – nicht viel. Ein Armutszeugnis und, sinngemäß, die Heuchelei können sich alle doch bitte sparen. Ein gutes Schlusswort. Jetzt fehlt nur noch die friedliche Revolution 2.0. Fuck the Fucking Fuckers. (MS)

 

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