Ein erhaltenswertes Gut

Foto: Am 27. September 14 in der WABE. Die SAM meets Freygang. Tolle Sache!Die Wabe war ja schon öfter Schauplatz legendärer Konzerte. Man munkelt, hier sollen die Ton Steine Scherben 1989 vor der Nomenklatura der DDR gespielt haben. Das jedesfalls kolportierte der Leader der Sogenannten Anarchistischen Musikwirschaft bei einem ebenfalls denkwürdigem Konzert in diesem Kulturhaus im Thälmannpark am letztem Samstag. Um dann sogleich ihre bekanntesten Songs zu spielen und den leider etwas spärlich besetzten Saal zum Kochen zu bringen. Die, die nicht gekommen sind, haben echt was verpasst.

Es war alles dabei, was die Herzen von Anarchisten, Kommunisten, Bolschewisten, Rotgardisten, Fetischisten, Hedonisten und Nostalgisten begehrt und die Anderen hatten mindestens ein coole Party. Auch wenn die Musiker sich schwer taten, als eine Vorgruppe zu fungieren, hatten sie doch sichtlich Spaß am Ambiente und dem Publikum. Ja, die Wabe ist halt ein Ort für eine durchaus schräge Perfomance, die sich den Fans von Mainstream-Musik nicht unbedingt immer gleich erschließt. Und das soll sie auch oft und ausdauernd bleiben.

Das man hier auch einer fast untergegangenen Kultur frönt, ist dem aufgeklärtem Kulturpublikum schon seit langem klar. Das Epizetrum der alternativen und revolutionär in Opposition zu den herrschenden Zuständen stehenden Kulturbetriebes der sterbenen DDR war mal der Prenzlauer Berg. Intellektuell und kreativ entstand hier ein Kosmos, der auf ganz eigentümliche Art und Weise in die Republik ausstrahlte und somit die friedliche Revolution 1989 goutierte und maßgeblich unterstützte. Genau diese künstlerische Atmosphäre schien nach „feindlicher“ Übernahme durch die BRD ebenfalls, wie so vieles Andere, unterzugehen.

Wenn es nicht die widerborstigen Bands und ihre treue Anhängerschaft geschafft hätten, den Sound der 80er und die typisch zweideutigen, resistent vor jeder Zensur geschaffenen Texte in die neue Zeit zu transportieren, hätte wir nur unsere Erinnerungen.

Freygang ist so eine Band, kraftvoll und wütend. Ihr Punkrock beamte mich in die letzten Tage meiner Jugend, in die letzten Tage der DDR.

Diese völlig unterschätzte Musikkultur der DDR-Rockband ist nicht nur wertvoll für die unzähligen ostdeutschen Biographien, sie ist einzigartig auch heute noch. Es gibt nicht diese klare Positionierung, die kompromisslose Haltung und das eindetige Artikulieren von Wut bei Gruppen im deutschen Musikbuissness.

Der Kontrapunkt zum Weichgespühlten ist gerade heute so wichtig und wird von Vielen, mittlerweile gesamtdeutsch, quälend vermisst. Diese Oasen des rebellischem Rocks , wie es die Wabe an diesem Abend war, sind so wertvoll und unbedingt zu erhalten. Weil sie in einer Form die Gesellschaft zu reflektieren versuchen, die Mut und Unabhängigkeit erfordert, zu denen die meisten Musiker nicht mehr bereit sind. (RW)

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