WBS im Thälmannpark: Durchmischung von oben gefährdet?

Der SPD-Politiker Böttcher fordert, mit Recht, die Gewährleistung von Durchmischung der verschiedenen Stadtareale. Nur schade ist, dass das so gut wie überhaupt nicht gelungen ist. Zumindest, wenn man sich den Prenzlauer Berg anschaut.

Eine fast einmalige Verdrängung hat statt gefunden, aus denen dann sehr homogene Stadtquartiere entstanden sind. Die Bevölkerungen sind im letzten Jahrzehnt fast vollständig ausgetauscht worden. Es gab eine Selektion über den Mietspiegel. Hier wäre es angebracht gewesen, politische Hebel in Gang zu setzten, die diesen unheilvollen Trend stoppen können. Wurde aber verpasst. Und so haben wir einen recht bürgerlichen Stadtteil bekommen, wo sich vor allen die Mittel- und Oberschicht tummelt und Leute mit geringen oder gar keinem Einkommen nur noch als Exoten wahr genommen werden.

Das Kind ist im Bötzowviertel, im Winsviertel, im Kollwitz- und im Helmholzkiez in den Brunnen gefallen. Nun könnte man das als normalen Wandel einer Stadt abtun, wenn nicht so viele Menschen durch hochpreisigen Wohnungsbau und Sanierung verdrängt worden wären. Zu Recht macht diese Unfähigkeit zur Durchmischung auf Seiten der verantwortlichen Politiker in dieser Dekade wütend und traurig.

Mit Mietpreisbremse, erhöhten Auflagen an die Investoren und Investitionen im sozialen Wohnungsbau könnte man diesen Trend aufhalten. Man muss es aber politisch wollen.

Man kann auch, wie jetzt erfolgt, die Neuvermietung an einen Wohnberechtigungsschein koppeln, wie es die GEWOBAG im Thälmannpark will. Dass sich jetzt Leute aufregen, dass durch so eine Maßnahme eine Durchmischung gefährdet, empfinde ich nur als zynisch. Immerhin ist durch die Wohnprojekte Prenzlauer Bogen und ELLA die Durchmischung von oben, also mit Leuten mit höherem Einkommen, gesichert. Schutz benötigen sie sicher nicht, da die Politik und die Investoren immer Wege finden werden, dass sie ihre hochpreisigen Projekte überall durch gedrückt bekommen.

Warum hier Alarm gemacht wird, kann nur als Posse von Menschen mit schrägen Humor durchgehen – auch wenn man sich mal vor Augen führt, dass mindestens 50% der Berliner Haushalte Anspruch auf einen WBS hätten. Wer mehr Schutz für den freien Wohnungsmarkt wünscht, handelt sicher nicht im Interesse der meisten Mieter*innen in Berlin. (RW)

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